Mal sehen, was der Sonntag so bringt, bzw. was wir an Energie aufbringen.Frühstück wieder in unserem Billobeer, da trifft sich auch die Stadtreinigung.
Den Morgen verbringen wir im Casco viejo. Das erste imposante Gebäude fällt schon beim Überqueren der Areatzako zubia auf, das Arriaga Theater.
Früher ein reines Opernhaus finden heute dort auch andere Veranstaltungen statt. 1914 brannte es im Inneren völlig ab, die Außenfassade konnte erhalten werden und innerhalb von 5 Jahren wurde das Theater im selben Stil wieder aufgebaut.
Weiter geht es in den Park El Arenal, dort soll laut Beschreibung Sonntags Morgen der große Blumenmarkt stattfinden, tatsächlich ist der aber unten am Ufer, ebenso ein kleiner Trödelmarkt.
Über die Plaza Nueva/Barria sind wir gestern Abend gelaufen, dort schließt ein Lokal an das nächste an und es war kaum ein Durchkommen. Irgendwie finden wir sie heute im Gewirr der Altstadt Gassen nicht wieder.ich möchte aber dennoch die folgende kuriose Geschichte zur Plaza Nueva erzählen, die ich gefunden habe: Regocijos bilbaínos auf der Plaza Nueva
In den Annalen der Geschichte Bilbaos finden wir eines der verrücktesten Ereignisse auf der Plaza Nueva. Im Jahr 1872 besuchte der italienische Monarch Amadeus I. von Savoyen, damaliger König von Spanien, die traditionellen Feste Bilbaos — die sogenannte Regocijos —, zu dessen Anlass die Stadt beschloss, ein authentisches venezianisches Fest zu organisieren. Da die Plaza Nueva von Marschland umgeben war, wurde sie geflutet und im Anschluss von mehreren Gondeln mit als Venezianer verkleideten Einwohnern befahren. Um zur Volksbeteiligung zu motivieren, wurde ein Preis für die schönste Gondel vergeben. Eine weitere Kuriosität: Es heißt, dass an den Tagen der Regocijos die Rohre des alten Wasserbeckens in der Platzmitte statt Wasser Wein gespien haben sollen.
Weiter geht es zur Kirche San Nicolas. Die Iglesia de San Nicolás ist dem Heiligen Nikolaus geweiht, auf dessen Spuren wir ja im Dezember in der Türkei unterwegs waren. Früher war der Paseo de El Arenal lediglich ein Streifen am Ufer der Ría des Nervión , der regelmäßig überschwemmt wurde. In dieser Gegend entstand ein Fischerdorf, dessen Einwohner im Mittelalter eine Eremitage zu Ehren des San Nicolás de Bari – sprich zu Ehren des Schutzheiligen der Seefahrer –errichteten. Da es immer mehr Einwohner gab, wurde die winzige Eremitage erweitert und zur Gemeindekirche. 1553 fiel sie einer Überschwemmung zum Opfer und wurde vernichtet. Zwischen 1743 und 1756 wurde dann die heutige Kirche errichtet, ist nicht so schön sondern sehr dunkel.
Hinter der Kirche finden wir die Metrostation und hier soll es einen Aufzug geben, mit dem wir die 311 Stufen aufwärts zur Basilika Nuestra Señora de Begoña umgehen können. Wir finden ihn aber nicht sondern nehmen ein Taxi. Auf dem Rückweg finden wir oben den Aufzug, der Ausgang davon ist am Plaza Unamuno und mein Knie - kranker Liebster spart sich auch jetzt die Stufen. Aber nun erst mal zur Basilika, ich finde die dazu gehörige Geschichte so schön: Die Legende erzählt, dass eines Tage im 13. oder 14. Jh. ein Schäfer am Monte Artagnan eine Holzfigur der Jungfrau María gefunden hatte. In der Höhlung einer Steineiche erschien die Figur, als sei sie selbst aus dem Boden gewachsen. Zu Ehren der wundersamen Figur wollten die Einwohner eine Kirche an einem schöneren Ort errichten. Aber als sie versuchten sie dorthin zu bringen, konnten sie die Holzfigur nicht vom Boden lösen und eine Stimme rief: ¡Bego oina! (Stehengeblieben!) So wurde eine Holzkirche an Ort und Stelle errichtet und der Figur blieb der Name Begoña .Sie wurde zur Schutzpatronin Bizkaias und „amatxu“ (Mama) der Bizkainos. Am selben Ort, wo einst die Kirche errichtet wurde, erhebt sich heute die gotische Basilika Nuestra Señora de Begoña, von Anfang des 16. Jh,.
Die Basilika ist eine Station am Jakobsweg, hier holen sich Pilger einen Stempel in ihr Buch.
Über die Mallonatreppe die "Calzadas de Mallona" erbaut 1745, gehe ich wieder abwärts zur Plaza Unamuno. Dieser ist nach dem berühmten baskischen Schriftsteller, Dramatiker und Philosophen Miguel de Unamuno benannt worden, der im 19. Jahrhundert in der Stadt geboren wurde. In der Mitte des Platzes unweit seines Geburtshauses finden wir ein Bronze-Denkmal für ihn.Die Kathedrale des Hl. Jakobus ist dem Schutzheiligen Bilbaos geweiht. Gestern Abend waren wir drin und sind in eine Messe geraten, heute ist sie geschlossen. Das Innere ist sehr schön. Die monumentalste gotische Kirche Bizkaias wurde in 100 Jahren gebaut und liegt im Herzen der Altstadt und somit im ältesten Stadtviertel Bilbaos. Vor sechshundert Jahren am Platz namens Plazuela de Santiago entstanden, entfaltet sich von hier aus fächerförmig das im Volksmund Siete Calles genannte Gassengeflecht. Ursprünglich als bescheidene Kirche konzipiert, wurde sie 1955 zur Kathedrale erhoben. Gleichzeitig mit dieser neuerworbenen Würde kam die Anerkennung Bilbaos als Durchgangsort auf der Küstenroute des Jakobsweges hinzu. Diese Etappe wird Camino del Norte genannt. Wahrscheinlich deswegen finden sich in Bilbao auch sehr viele Herbergen mit Mehrbettzimmern.
Wir laufen noch weiter durch die Gassen, die wieder richtig voll sind.
Und natürlich darf eine kleine Pause nicht fehlen😉
Dann fahren wir mit der Metro nach Portugalete, wir sind neugierig auf die Puente de Viscaya. Das ist eine Schwebefähre, die die Orte Portugalete und Getxko verbindet. In der Regel überbrücken Schwebefähren schiffbare Flüsse oder Hafenzufahrten und befördern Fahrzeuge in einer Gondel, die von hohen Stützpfeilern oder einem Stahltragwerk herunterhängt. Insgesamt gab es nur rund 22 Schwebefähren, wovon diese hier die älteste ist und zum Weltkulturerbe gehört.
Konstruiert hat die Brücke der baskische Ingenieur Albert de Palacio y Elissague (1856-1939), ein Schüler Gustave Eiffels. Die Schwebefähre hat eine Spannweite von 164 Metern und transportiert alle acht Minuten bis zu acht Autos und eine beachtliche Zahl von Fußgängern über den Fluss.
Das Bauwerk wurde in den späten 90ern umfassend restauriert. Seitdem gibt es nun auch Lifte, die auf das Niveau des Stahltragwerks führen. Dort lädt ein Gehweg Fußgänger ein, den Fluss in schwindelnder Höhe zu überqueren, was ich heute als Mutprobe machen wollte. Aber... leider.... funktioniert der Aufzug nicht... So ein Pech aber auch. Also fahren wir mit der Schwebefähre rüber, was nicht so spannend ist.
Zurück in Bilbao schauen wir uns noch den Bahnhof an.
Eine kleine Pause und nun freuen wir uns auf Txakoli und Pintxos! Morgen geht es weiter!
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